Im Juli durfte ich das Community-Event von Electra und XPENG beim Ladepark von Electra in Wiener Neustadt besuchen. Vier Modelle zum Anschauen, ein DJ, Getränke, Snacks – und eine Ladekurve, die ich nur bei teuren High-End Autos gesehen habe.
Was es zu sehen gab
Der XPENG Händler, Motor-City, hat seine aktuelle Modellpalette mitgebracht: Den G6, den G9, den brandneuen X9 und den P7+. Alle vier standen am Electra-Ladepark zum Anschauen und Probesitzen bereit.
Ich kannte XPENG Autos nur aus Videos und Berichten gekannt und habe deshalb die Chance genutzt und es mir in den Autos gemütlich gemacht. Und muss sagen: Nicht schlecht! Ich denke, dass hier natürlich auch die Expertise von MAGNA durchkommt, denn MAGNA baut die XPENG-Modelle G6, G9 und P7+. Das Modell X9 kommt noch aus China. Materialien, Haptik und Co. – die Autos wirken nicht nur hochwertig, sondern sind es auch und sind für mich ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Marken aus dem Hause VW und dem Platzhirsch Tesla.
Am meisten Zeit habe ich im X9 mit seinen großen, super gemütlichen Sitzen verbracht. Vor allem die zwei Sitze hinten sind sensationell. Das wäre wohl das erste Mal, dass ich gerne gefahren werden würde, statt selbst zu fahren. Und ich habe noch nie ein Auto mit einem großen Display hinten gesehen:
Die Ladekurve, die es auf den Punkt bringt
Ich fahre oft Autobahn und längere Strecken und hasse nichts mehr als meine Zeit zu verschwenden. Natürlich bleibe ich das Eine oder Andere mal sehen um aufs WC zu gehen oder mal meinen Durst zu löschen. Da kann ein Stopp schon mal 10, 15 Minuten dauern.
Deshalb time ich meine Stops so, dass sie sich mit einer Schnellladestation überlappen. Aktuell fahre ich den Ioniq 5 und der beherrscht das schon ganz gut. Je nach Ladestand brauche ich mal 15 mal 18 Minuten. Noch perfekter wäre es, wenn ein Auto weniger oder 10 Minuten braucht um auf 80% zu kommen von einem niedrigeren Ladestand. Und das liefert XPENG mit seiner 800V Architektur und den starken LFP Akkus.
Wir haben uns angeschaut, wie der G6 lädt und das war schon nicht schlecht. Limitiert durch die 300 kW Säule, hat er genau 300 kW gezogen. An einer 350 kW Säule oder 450 kW hätte er auch das gezogen. Denn das kann er.
Aber.
Ja, es gibt natürlich immer ein Aber. An meiner Strecke nach Istrien schaut es ja noch recht gut aus mit der Verfügbarkeit von Schnellladern. Aber wenn wir via Ungarn zur Familie fahren schaut es leider schlecht aus. Hier ist Ionity der einzige Anbieter, der zuverlässige Infrastruktur anbietet, die Leistung bringt. Und auch da gibt es Probleme. Nämlich dann, wenn der lokale Netzanbieter entscheidet den Ladepark zu drosseln.
Der Punkt ist. Dass Autos immer schneller laden können ist eine sehr willkommene Entwicklung. Das ist gut um den letzten Petrolhead überzeugen zu können. Auch die Preise der Autos bewegen sich in die richtige Richtung. Und der Ausbau der Infrastruktur ist auch schon, in Österreich, sehr gut. Auch, dank Electra.
Doch das Problem beginnt, wenn die Landesgrenze überschritten wird. Niedrige Zulassungszahlen von E-Autos sorgen dafür, dass in Ländern wie Kroatien der Ausbau der Infrastuktur ausschließlich für Touristen, die mit ihren E-Autos Urlaub machen, ausgebaut wird. Die restlichen 6 Monate im Jahr ist das Wort “Auslastung” ein Fremdwort.
Deshalb muss der Ausbau der Infrastruktur Hand in Hand mit der Zugänglichkeit und brauchbaren Reichweiten von den Autos gehen.
Beispiel? Ein gebrauchter Verbrenner um 10.000€ oder weniger, schafft 600, 700 km mit einer Tankfüllung. Ein gebrauchter Nissan Leaf schafft das nicht, kann womöglich gar nicht an der Autobahn laden und man muss viel Zeit einrechnen. Und das ist in meinen Augen die Hürde.
Auch die neuen 20.000€ E-Autos wie ein Raval ist nicht in der Lage brauchbare Strecken anzubieten und braucht an der Ladesäule 30 Minuten und mehr.
Die Stimmung

Ausgelassen. Ein DJ hat aufgelegt, es gab Getränke und kleine Snacks – das war keine steife Pressekonferenz, sondern ein lockerer Nachmittag unter Leuten, die sich für E-Mobilität interessieren. Genau so soll es sein.
Die Mitarbeiter von Electra und dem XPENG Händler Motor-City standen für nette, interessante Gespräche Rede und Antwort.
Warum das öfter passieren muss
Und damit bin ich beim eigentlichen Punkt. Dieses Event war gut gemacht und hat echt Spaß gemacht. Aber es war – wie so oft – vor allem ein Treffen für Leute, die sich mit E-Mobilität bereits auseinandersetzen. Die E-Auto-Community unter sich.
Was wir brauchen, sind genau solche Formate an Orten, die hoch frequentiert sind. An Einkaufszentren, an Autobahnraststätten, an Orten, wo auch der Familienvater mit dem Diesel-Kombi vorbeikommt und sieht: Da steht ein E-Auto an der Ladesäule. Und zwölf Minuten später ist es bei 80 Prozent. Kein vier-Stunden-Drama wie am Stammtisch behauptet, kein Kabelsalat, kein Abenteuer.
Denn seien wir ehrlich: Die größte Hürde für die Elektromobilität in Österreich ist nicht die Ladeinfrastruktur oder langsam ladende Autos. Die Technik ist da – 800-Volt-Laden, 300-kW-Ladeparks, Autos mit 500+ Kilometer Reichweite. Die größte Hürde ist die Wahrnehmung. Es sind die Leute, die immer noch glauben, dass man vier Stunden an der Ladesäule steht. Die nie einen modernen Schnellladepark von “innen” gesehen haben. Die keine Ahnung haben, dass es Wallboxen gibt, die man einfach in die Steckdose steckt, ohne einen Elektriker zu brauchen.
Für die müssten solche Events stattfinden. Regelmäßig.
Electra hat mit Standorten wie dem Reload 24 in Wiener Neustadt die perfekte Infrastruktur dafür. Überdacht, gut erreichbar, mit Gastronomie direkt nebenan. Und XPENG hat mit seiner Modellpalette Autos, die bei vielen noch gar nicht auf dem Radar sind – obwohl sie es verdient hätten. Die werden übrigens in Graz bei Magna gebaut, schafft und sichert so Arbeitsplätze in Österreich.
Fazit
Schönes Event, gute Autos, schnelle Lader, entspannte Atmosphäre. Aber der echte Impact entsteht erst, wenn solche Veranstaltungen raus aus der Bubble gehen. Mehr davon, bitte – und zwar dort, wo die Leute sind, die es am meisten brauchen.
Warst du schon mal bei einem Event? Oder kennst du Leute, die du zu sowas mitschleppen würdest, damit sie endlich sehen, wie schnell Laden heute geht? Lass es mich in den Kommentaren wissen.
Bis bald,
Marijan

