Vor dem Auto-Kauf (Leasing ist mitgemeint), informiert man sich eine sehr lange Zeit. Probefahrten, Infobroschüren, Testberichte, Videos und natürlich Erfahrungswerte von Freunden/Bekannten. In der Summe ergibt das dann ein Bild über ein Fahrzeug. Doch die brennendste Frage ist: Gebraucht oder neu? Hier scheiden sich die Geister. Erst recht beim E-Auto. Doch das muss nicht sein.
Der Reiz des Neuwagens: Garantie und State-of-the-Art
Klar, ein Neuwagen riecht nicht nur gut, er gibt dir auch ein sicheres Gefühl, das aktuell Neueste am Markt zu fahren. Du hast die volle Herstellergarantie, die neueste Software-Version und – was beim E-Auto oft entscheidend ist – die aktuellste Batterie-Technologie.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Seit dem Wegfall der E-Mobilitätsförderung für Privatpersonen, ist die finanzielle Hürde für den Erstbesitz gestiegen. Ja, Hersteller locken heute mit 0 % Leasing oder speziellen Eintausch-Deals, aber der "echte" Preisdruck ist da.
Status-Check: Die erste Phase deiner Reise – die Recherche – ist umgesetzt. Du weißt, was der Markt neu bietet. Jetzt schauen wir uns die Alternative an.
Gebrauchtmarkt: Auswahl steigt, Akku kein Thema mehr?
Vor nicht allzu langer Zeit war ich der Ansicht: Elektrisch kaufst du neu. Punkt. Einerseits, weil man / ich schlicht nicht wusste, wie es mit den Akkus ausschaut. Wie entwickelt sich das Thema einerseits und andererseits wie schaut es mit der Gesundheit aus? Hinzu kam noch das Faktum: Es gab einfach keine große Auswahl an bezahlbaren und vor allem SINNVOLLEN E-Autos. Konnte man vor drei Jahren noch um 25.000€ gebrauchte E-Golfs, gibt es jetzt gute ID.3s und Co.
Aber was ist mit den Akkus, Marijan? Das hatte ich eingangs als Kontra für einen Gebrauchten genannt. Aber da gibt es mittlerweile einige Erkentnisse einerseits und andererseits geben die Hersteller mittlerweile großzügige Garantien. Volkswagen gibt 8 Jahre bzw. 160.000 km (je nachdem, was zuerst eintritt) Garantie auf den Akku. Das bedeutet kontkret: Fällt der Akku innerhalb des Zeitraums unter 70% der Kapazität, ersetzt VW den Akku. Und hier kommen natürlich noch alle potentiellen Fehler (wie fehlerhafte Zellen,…) die Berücksichtig werden.
Die andere Geschichte ist, dass die Akkus robuster sind als gedacht, wie ein Hersteller von Akku-Testsystemen gegenüber Elektroauto News bestätigt.
Vor dem Kauf: Batteriezertifikat einfordern
Dass Akkus robuster und langlebiger sind als gedacht, ist allerdings kein Freifahrtsschein blind jetzt ein E-Auto gebraucht zu kaufen. Letzlich kommt es immer auf viele Faktoren an, in welchem Zustand der Akku ist. Ähnlich zum Motor, wie bei Verbrennern.
Rund um den Ankaufstest des Autos deshalb unbedingt ein Batteriezertifikat anfordern. Und wenn das unmöglich ist (weil von Privat zu Privat verkauft wird) beim österreichischen Anbieter AVILOO einen kaufen und den Test durchführen oder beim ÖAMTC direkt beauftragen.
Und sonst? Gibt es sonst noch Punkte, auf die man achten sollte?
Aus persönlicher Erfahung: Immer zum ÖAMTC fahren und einen Ankaufstest machen lassen, wie oben schon erwähnt. Natürlich ist es wichtig, dass du auf Dinge achtest, die deine individuellen Bedürfnisse abdecken.
Einer davon wäre: Dein Aktionsradius und wofür du das Auto eigentlich brauchst. Warum? Hier entscheidet sich, ob Fakten wie:
Akkugröße
Ladegeschwindigkeit
wichtig sind. Fährst du “nur” in der Umgebung herum (zur Arbeit, Einkaufen ab und zu einen Ausflug,…), dann muss dein Auto nicht hunderte kW Ladeleistung beherrschen, wie ein Ioniq 5. Da reicht es, wenn du gemütlich zuhause oder während des Einkaufens laden kannst und damit deine Wochenreichweite aufladest. Das Gleiche gilt für die Akkugröße! Da brauchst du nicht den 77 oder 100 kWh großen Akku. Da reichen Modelle auch mit 40 kWh vollkommen aus.
Bist du allerdings viel unterwegs, fährst regelmäßig Langstrecke, dann kommt hier nur einer mit einem großen Akku und schnellem Laden in Frage. Ich zum Beispiel habe einen Ioniq 5 mit einem 77 kWh Akku, der mit 230 kW in der Spitze laden kann. Damit schaffe ich knapp 400 km auf der Autobahn und lade in 18 Minuten von 10 auf 80%. Das kostet natürlich auch.
Fazit
Am Ende ist die Frage nicht mehr einfach „neu oder gebraucht?“, sondern: Welches Auto passt zu deinem Alltag, und wie gut ist der Zustand des Gebrauchten? Wenn du viel fährst, oft auf Langstrecke unterwegs bist oder einfach das neueste Paket aus Software, Garantie und Technik willst, kann ein Neuwagen nach wie vor die bessere Lösung sein. Vor allem dann wenn das Budget passt und dir einen Neuen leisten kannst / willst!
Wenn du dagegen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis suchst, ist der Gebrauchtmarkt mittlerweile deutlich spannender als noch vor ein paar Jahren.
Wichtig ist nur: Nicht auf das Bauchgefühl verlassen oder jemandem vertrauen; auch, wenn es sich um die Familie handelt. Der Akku ist das Herzstück des Autos, und genau deshalb solltest du vor dem Kauf immer ein Batteriezertifikat verlangen oder einen Batterie-Check machen lassen — etwa über AVILOO oder den ÖAMTC. Erst wenn du weißt, wie es um den State of Health steht, kannst du seriös entscheiden, ob das Auto wirklich ein gutes Angebot ist. Denn: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. So kannst du dir viel Ärger und letzlich auch Kosten ersparen.

